(remnants of) almost in between
04.7. -04.10. 2026
Kunsthaus Dahlem, Berlin
dt.:
Die Ausstellung almost in between im Kunsthaus Dahlem ist die erste Einzelausstellung der österreichischen Künstlerin Melanie Ender in Deutschland. Für diesen Anlass entwickelte Ender eine Reihe feingliedriger, ortsspezifischer Installationen, die in einen Dialog mit der Architektur des Hauses und seiner Geschichte als Ort künstlerischer Produktion treten. Die Arbeiten setzen ihre prozessorientierte Praxis fort, die von Arbeitsabläufen, räumlicher Wahrnehmung und einer intensiven Auseinandersetzung mit Material als aktivem Gegenüber geprägt ist.
Melanie Ender hat für ihre Ausstellung im ehemaligen Staatsatelier von Arno Breker, einem der führenden Monumentalbildhauer des Nationalsozialismus, Werke konzipiert, die sich jedem Anspruch auf Dauerhaftigkeit widersetzen. Die Künstlerin untersucht, wie auf Stabilität und Kontrolle angelegte Strukturen im Laufe der Zeit ihre Offenheit für Transformation enthüllen. Gerade Linien geraten aus der Form, vermeintlich starre Metallstäbe balancieren in fragilen Situationen – Enders Arbeiten bleiben sensibel und reaktionsfähig gegenüber ihrer Umgebung. Auf diese Weise lösen sie feste Ordnungen auf und lassen Prozesse des Wandels erfahrbar werden.
Enders Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes erstreckt sich auch auf die Materialien selbst. In ihrer künstlerischen Praxis sammelt und dokumentiert die Künstlerin Spuren und Rückstände, die bei der Arbeit mit Metall entstehen – etwa Roststaub und Eisenoxidabrieb – und überträgt diese anschließend als offene Pigmente auf Textilien. Auf diese Weise ermöglicht sie es diesen »archivischen« Materialien, auch in der Gegenwart Bedeutung zu entfalten.
Neben ihrem Interesse an Prozessen der Veränderung eröffnen die Arbeiten von Melanie Ender eine weitere Dimension: eine Form von Körperlichkeit, die sich in den sichtbaren Spuren der Begegnung mit Materialien zeigt. Sie wird in materiellen Bedingungen vermittelt, die mit körperlicher Existenz verbunden sind: Die verdichteten Textiloberflächen tragen Spannungen und Risse, Konstruktionen offenbaren ihre Abhängigkeit von Stützen, und die Arbeiten insgesamt bewahren Spuren von Reibung, Kratzen, Druck und anderen Formen der Berührung.
Diese Körperlichkeit prägt auch die Beziehung der Arbeiten zum Raum. Anstatt die Maßstäblichkeit der Architektur aufzugreifen oder mit ihr zu konkurrieren, orientieren sich ihre Proportionen an menschlicher Präsenz und ermöglichen eine unmittelbare physische Beziehung zwischen Werk und Betrachter:in. Im Kontrast zur Monumentalität der Architektur rücken sie Aspekte von Verletzlichkeit und Fragilität in den Vordergrund.
en.:
The exhibition almost in between at Kunsthaus Dahlem marks Austrian artist Melanie Ender’s first solo presentation in Germany. For this occasion, Ender has conceived a series of delicate, site-specific installations in dialogue with the building’s architecture and its history as a place of artistic production. The works continue her process-oriented practice rooted in working routines, spatial perception and an intensive engagement with material as an active counterpart.
Presented in the former state atelier of Arno Breker, one of the principal monumental sculptors of National Socialism, the pieces by Melanie Ender resist any claim to permanence. The artist examines how structures designed for stability and control reveal, over time, their openness to transformation. Straight lines become distorted, seemingly stiff metal rods balance in fragile situations – Ender’s works remain sensitive and responsive to their surroundings. In this way, they dissolve rigid orders and allow processes of change to become tangible.
Ender’s engagement with the history of the space extends also to the materials themselves. As in her broader practice, the artist collects and documents traces and remnants in the form of rust dust and iron oxide residue produced while working with metal, subsequently transferring them onto textile as pigment. In doing so, she allows those “archival” materials to continue generating meaning in the present.
Alongside an interest in processes of transformation, Melanie Ender’s works introduce another important dimension: a sense of corporeality that emerges through the visible traces left by encounters with materials. It is conveyed through material conditions associated with bodily existence: the compressed surfaces of the textiles are marked by tensions and cracks; structures reveal their dependence on support; the works as a whole retain traces of friction, scratching, pressure and other forms of contact.
Corporeality also shapes the way the works relate to space. Rather than echoing or competing with the scale of the architecture, their proportions remain connected to human presence, allowing for a direct physical relation between the works and the viewer. In contrast to the monumentality of the architecture, they foreground the sense of vulnerability and fragility.
text: Yevheniia Havrylenko
fotos: © Joe Clark
Materialien / materialities:
korrodierter Stahl, Aluminium, Eisenoxidabrieb, Kreide und Hautleim auf Baumwolltextil /
corroded steel, aluminum, iron oxide abrasion, chalk, and skin glue on cotton fabric
all works: © Melanie Ender 2026